Kunstgeschichte als Studienfach
Der Begriff „Kunstgeschichte“ und seine Bedeutung liegt Johann Joachim Winkelmann zugrunde, dessen Werke zur Kunst der Antike im 19. Jahrhundert zu stilistischen Untersuchung von Werken geführt haben. Im Laufe der Zeit hat sich die Kunstgeschichte weiter ausgebreitet, bis sie an beinahe allen führenden Universitäten und Bildungseinrichtungen gelehrt wurde und immer noch wird. Gegenteilig zur Kunstkritik befasst sich die Kunstgeschichte mit überwiegend historischen Objekten und versucht im Zusammenspiel mit wissenschaftlichen Erkenntnissen die Entstehung des Werkes und die Beweggründe des Künstlers zu hinterfragen und zu dokumentieren. Hierbei soll en die kulturelle Funktion, ökonomische und psychologische Gesichtspunkte beachtet werden.
Die Kunstgeschichte beschäftigt sich mit der Untersuchung von künstlerischen Objekten aus der Antike bis zu den heutigen Werken. Grundstein der Untersuchung bilden unter anderem Werke der Plastik, Malerei, Grafik und des Kunstgewerbes. Mittlerweile werden auch Bildmedien in das Studium mit einbezogen, soweit diese aus Europa stammen oder von Europäern beeinflusst wurden. Anfangs ging die Kunstgeschichte vor allem auf europäische und vorderasische Werke der Bildkunst sowie Bauwerke, die seit dem frühen Mittelalter entstanden sind, ein, später wurden erstmals Kirchenschätze in die Untersuchungen mit aufgenommen. Das tiefer gehende Studium, welches hauptsächlich die Vor- und Frühgeschichte erfasst, beschäftigt sich mit der Entstehung der Schrift und ihrer Auswirkung. Werke aus früheren Epochen, Künste verschiedener Naturvölker und die Archäologie werden oftmals nicht in die Kunstgeschichte einbezogen, sondern unterliegen eigenen Studiengängen. Im Studium der Kunstgeschichte wird ebenfalls der Entwicklungsprozess beschrieben, der am Ende zur Entstehung des Kunststudiums führte. Ein wichtiger Bestandteil des Studiums ist die Kunsttheorie, die die Lehre der diversen Kunsttechniken einschließt und die Beschäftigung mit der Lebensgeschichte des Künstlers. Gerade die Lebensgeschichte zeigt häufig Wege auf, die zur Interpretation des Werkes notwendig sind. Bis zur Beendigung des Zweiten Weltkriegs prägten Schulen die Kunstgeschichte, wobei die führenden Lehrstätten die Berliner, Münchner, Hamburger und Wiener Schule waren. Während des Zweiten Weltkrieges wurden jüdische Lehrkräfte aus ihrem Amt entlassen und durch nationalsozialistische Professoren ersetzt, die die Studenten in eine vom Nationalsozialismus gewünschte Richtung drängten. Somit wurden zu der Zeit den Kunstuntersuchungen abweichende Hintergründe nahe gelegt. Heute wird Kunstgeschichte an beinahe jeder deutschen Universität gelehrt. Nach Beendigung des Studiums ist unter anderem eine Anstellung in Museen oder als Kunstsachverständiger denkbar.